Die Landschaft ANGELN
Als einen einzigen "großen Garten" hat der Angelner Chronist Hans Nicolai Andreas Jensen die Landschaft Angeln beschrieben. Angeln ist aber nicht nur landschaftlich wunderschön gelegen, sondern hat auch eine reiche, bewegte Geschichte, die kennen zu lernen sich lohnt. In aller Welt bekannt ist die Auswanderung der „Angeln“ nach dem heutigen England im 5. Jahrhundert n. Chr.
Geografisch begrenzt wird die Landschaft Angeln durch die Ostsee im Osten, durch die Flensburger Förde im Norden, durch die Schlei im Süden und landläufig durch die weitgehend auf der Trasse des uralten Heerweges (Ochsenweg) verlaufende Bundesstraße 76 zwischen Flensburg und Schleswig im Westen. Angeln ist – zusammen mit der Schleswigschen Geest, des nördlichsten Zipfels der Landschaft Schwansen und der Landschaft Stapelholm – Teil des Landkreises Schleswig-Flensburg. Die alten Ämter Gottorp und Flensburg, aus denen der Kreis hervorgegangen ist, gehörten zum ehemaligen Herzogtum Schleswig. Jahrhunderte lang war die Landschaft in Harden und Gutsbezirke (Verwaltungs- und Gerichtsbezirke) gegliedert:
Angeln zählt heute - ohne die zu Flensburg und Schleswig gehörenden Stadtteile und ohne die auf Schwansen liegenden Teile der Stadt Kappeln (Ellenberg, Kopperby und Olpenitz) - rund 80.000 Einwohner. Zu Angeln gehören:
Die Städte
Die 73 Gemeinden sind nach dem Stand vom 1. Januar 2008 in folgende Ämter zusammengefasst:
Ob die Einwohner nun „Angler“ – korrekter „Angelner“ – oder „Angeliter“ heißen, darüber gehen die Meinungen auseinander:
Angler – Angeliter – Angelner?
Wie heißen die Bewohner der Landschaft Angeln denn nun? Mal werden sie „Angler“ genannt, auf dänisch „Angelbo“, dann um die vorige Jahrhundertwende auf einmal „Angeliter“ und heute zunehmend wieder „Angler“ oder „Angelner“. Die „Angeln“ aus ganz alter Zeit gibt es ja hier nicht mehr; denn sie sind bekanntlich vor gut 1500 Jahren nach dem heutigen, nach ihnen benannten „England“ ausgewandert. Ihr Stammesname aber ist bis heute im Namen der Landschaft Angeln erhalten geblieben.
Wie kommt es zu dieser Vielfalt – und wie nennen sich die Menschen in Angeln selbst? Am seltsamsten, und dennoch im vorigen Jahrhundert am gebräuchlichsten ist der Name „Angeliter“ oder „Angliter“. Dieser Name ist aber nicht deutscher Herkunft, sondern eine Ableitung aus dem Griechischen, wie die alten Völkernamen aus dem Alten Testament. Ein besonderer Grund für die Einbürgerung dieses Namens vor etwa 100 Jahren ist nicht erkennbar, mir scheint, er war so etwas wie ein Modewort, das den Angelnern von außen aufgedrückt wurde, dann doch gefiel und schnell Fuß gefaßt hat.
August Hansen aus Husby (1825 – 1879) nennt in seinem posthum herausgegebenen Büchlein „Angler Skizzen“ (1881) die „Bewohner Angelns“ – so weit ich weiß – erstmalig und eher beiläufig an zwei, drei Stellen die „Angeliter“. Sonst schreibt er nur vom „Angler Plattdeutsch“, vom „Angler Dänisch“ und vom „Angler Buurnhus“. Ein weiteres Mal fand ich auf einer Ansichtskarte die Vereinsfahne des 1903 gegründeten „Vereins der Angeliter in Flensburg“. Wer eine frühere Quelle weiß, melde sich bitte!
Pastor Jensen nannte um die Mitte des 19. Jahrhundert seine Landsleute wie selbstverständlich noch „meine lieben Angler“ (Angeln. Zunächst für die Angler historisch beschrieben, 1844). Mag sein, dass man dies später wegen der Verwechslungsgefahr mit dem „Angler“ als Fischer unpassend fand. Das war ja auch der Grund für den Wechsel im Vereinsnamen vom „Angler Heimatverein“ in „Heimatverein der Landschaft Angeln“ im Jahre 1973. Man hätte allerdings – grammatikalisch ohnehin richtiger – auch „Angelner“ sagen können.
Stattdessen setzte sich immer mehr der Name „Angeliter“ durch. Es war dies in einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs, gerade war 1871 der Krieg gegen Frankreich gewonnen, Industrie und Landwirtschaft blühten auf, und man war schließlich wer! Da konnte man sich doch nicht mit dem „Angler Güterdistrikt“ oder gar mit dem „Angler Sattelschwein“ auf eine Stufe stellen. „Angeliter“ zu sein, war – auch gegenüber den Nachbarn auf der Geest oder auf Schwansen – schon etwas Besonderes!
Heute soll sich jeder so nennen, wie es beliebt – ob Angler, Angeliter oder Angelner, ist egal. Hauptsache ist doch, dass er/sie diese wunderschöne Landschaft liebt.
Bernhard Asmussen
Lit.:
Wolfgang Laur: Der Einwohnername Angliter und andere Bezeichnungen für die Bewohner Angeln, in: Jahrbuch Angeln 1975, S. 37 ff.