Schifferkirche Arnis

Arbeitsgemeinschaft Baukultur


Jahresbericht Baukultur 2017

Jetzt zum Redaktionsschluss für Berichte aus der AG-Baukultur, die ins Jahrbuch 2017 Einlass finden sollen, ist das Jahr 2017 zu 2/3 bereits erlebt. Es begann dies Jahr damit, dass ich im März einen Werkvortrag des Architekten Henning Stüben, Partner und Mitgründer des Architekturbüros URBAN AGE CY in Kopenhagen, in der Fachschule für Technik und Gestaltung in Flensburg besucht habe. Die Vortragsreihe wird durch den Verein Baukultur Flensburg e.Y. veranstaltet und berichtet von aktuellen Planungen oder Bauvorhaben, die sich in besonderer Weise mit dem historischen Umfeld, der vorhandenen Bausubstanz und den Bedürfnissen nach zeitgerechter Architektur auseinander setzen. Dieses Zusammenspiel von verantwortungsvollem Umgang mit denkmalschutzwürdigen Bauten, eines gegebenen, zu erhaltenden "Stadtbildes" und der Moderne ist die Herausforderung für die Architekten, Landes- und Stadtplaner. Sowie schließlich die investierenden Bauherren.

Von der Chronologie her folgte mein Besuch eines Vortrages von Prof. Dr. Wolfgang Riedel auf einer Veranstaltung der Bürgerinitiative "Schönes Angeln" im Sportlerheim Steinbergkirche. Er ist Geograph, Geomorphologe und war Hochschullehrer für Landschaftsplanung und Landschafts-gestaltung an den Universitäten in Rosteck und Flensburg. Mit unserer Region Angeln war er im Übrigen durch seine Funktion als Naturschutzbeauftragter des Landkreises Schleswig-Flensburg sowie des Landes Schleswig-Holstein in besonderem Maße vertraut. In seinem Vortrag beschrieb er den Istzustand der Landschaft und führte den Zuhörern eindrucksvoll vor Augen, wie sich eine ökologisch intakte Landschaft sehr schnell durch unachtsamen Umgang mit ihr nachteilig verändert. Schleswig- Holstein ist beispielsweise das waldärmste Bundesland mit einem Wald-bestand von nur 5 % Flächenanteil. Die fotografische Dokumentation der Bodenerosion infolge massiver Monokulturnutzungen landwirtschaftlich genutzter Flächen bestätigte die Aussage. Ökonomische Zwänge auf der einen Seite und der achtsame Umgang mit der Natur auf der anderen Seite müssen zwingend in eine Balance gebracht werden. Die Entwicklung der ländlichen Räume gewinnt zunehmend an Bedeutung vor dem Hintergrund sich rasant verändernder Rahmenparameter. Die Zukunftsfähigkeit dörflicher Strukturen, die notwendigen Anbindungen der Regionen durch den ÖPNV an überregionale Zentren, die marktwirtschaftlich orientierte Nahversorgung, sowie der Erhalt von Infrastruktur.

Schule, Kirche, Ärzte, Kita, Wohnen im Alter, Pflege, nur um die Kernelernente soziologischen Gemeinschaftslebens innerhalb einer Gemeinde zu benennen, stellen bereits heute für manche Gemeinden erhebliche Hürden dar. Diese Themen wurden sehr ausführlich auf der Jahrestagung der AktivRegionen am 26. Juni in Rendsburg behandelt. Die "Akademie für die Ländlichen Räume Schleswig-Holstein e.V." , Hamburger Chaussee 25, 24220 Flintbek war Ausrichterin dieser Netzwerkpflege. Die Teilnehmer setzten sich u. a. Aus Mitarbeitern der unterschiedlichen Ämter, zuständigen Landesbehörden sowie vielen Gemeinderatsmitgliedern und Vertretern der Kirchen und sozialer Einrichtungen des Landes zusammen. Ich hatte deshalb während des Tages Gelegenheit, neben den verschiedenen Vorträgen zum vielfältigen Gedankenaustausch mit anderen interessierten Teilnehmern. Den Abschluss des Tages bildete die Vorführung des Dokumentarfilmes von Frau Antje Huber, die thede e.V.. "VON BANANENBÄUMEN TRÄUMEN". Ein Dorf im Kehdinger Land, Oberndorf, erlebt die Strukturschwächen und die sich daraus abzeichnende abnehmende Zukunftsfähigkeit. Die Dorfgemeinschaft aus Zugezogenen und Alteingesessenen gründet eine Initiative, die der Entwicklung entgegenwirken will. Der Film begleitet sensibel und offen die Bürger bei ihren Aktionen. Er wurde im Frühjahr 2017 uraufgeführt. Ein zweites Mal sah ich den Film auf einer Veranstaltung in Quern im dortigen Gemeindehaus als Teil einer Initiative des jungen Ensembles theatervision2.0 und des Instituts für theatrale Angelegenheiten (ehemal. Institut für Lebensfreude). Die Gruppe hat das dt.-dän. Schauspiel und Kunst Open Air Projekt: DAS DORF in Quern präsentiert.

DAS DORF wird finanziert von KursKultur mit Unterstützung der Partner der Region Sönderjylland·Schleswig, des dänischen Kulturministeriums und des Ministeriums für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig·Holstein. Dieses Projekt wird gefördert mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionaleEntwicklung.

Der letzte Hinweis erfolgt, weil er deutlich macht, dass die Fragen, mit denen wir uns beschäftigen, nicht nur bei uns in Angeln die Menschen bewegen, sondern bereits allgemein und überregional Beachtung erfahren. Sie behandeln ohne jeden Zweifel Themen, die weltweit unter der Berücksichtigung geographischer Besonderheiten zunehmend nach zukunftsorientierten Antworten suchen. Was ist nun mein Resümee? Ich bin mehr denn je zu dem Ergebnis gekommen, dass jeder von uns in seinem individuellen Rahmen, mehr oder weniger unmittelbar, die Aus-wirkungen unverantwortlichen Umgangs mit den Ressourcen unseres Umfelds zu spüren bekommen wird. Also, machen wir uns informiert und schauen wir wachen Auges und Verstandes auf die Entwicklung der ländlichen Räume, insbesondere in Angeln. Erhalten wir die Qualitäten und sorgen wir dafür, dass wir künftigen Generationen eine intakte Natur und zukunftsfähige werthaltige dörfliche Strukturen übergeben. Jeder an seinem Platz!

Ich freue mich auf Hinweise über gelungene oder auch misslungene Entwicklungen in unserer Nachbarschaft, über die wir in der AG-Baukultur berichten können. Ich strebe keine Besserwisserei, sondern eine offene und der Aufgabe gerecht werdende Bewusstseinsbildung an. Ich möchte über die AG-Baukultur eine Sensibilisierung für Landschafts- und Flächennutzungsplanungen innerhalb unserer Mitgliedschaft und nach Möglichkeit auch darüber hinaus fördern. Die Termine dieses Jahre haben mir gezeigt, der Austausch von Erfahrungen und Gedanken ist dabei ein wesentlicher Baustein.

Sie erreichen mich mit einer Mail. Ich werde gern antworten!

Jürgen Koch
Arbeitsgemeinschaft Baukultur

Kiekuter Weg 4, 24977 Westerholz, Tel.: 04636-976860, E-Mail: ag-baukultur@heimatverein-angeln.de